Zucht
Heike Böhm, deren große Leidenschaft das Züchten von Islandpferden ist, erzählt:
Jede Zuchtstute wird sorgfältig ausgewählt und ganzjährig liebevoll betreut und umsorgt. Zu Beginn des Frühjahrs erfolgt die Tupferprobe durch den Tierarzt, deren positives Ergebnis Voraussetzung für eine Bedeckung ist. Das Anpaaren mit den Hengsten wird gründlich überlegt, denn darauf baut sich die Hoffnung auf gute Nachzucht auf.
Die Stuten werden teilweise Hunderte von Kilometer durch Deutschland zu den besten Hengsten gefahren und natürlich wenige Wochen später auch wieder abgeholt. In der Regel bleiben die Stuten 6 Wochen mit dem Hengst zusammen. Wieder zuhause erfolgt 2 bis 3 Wochen später eine Ultraschalluntersuchung. Es erfreut des Züchters Herz, wenn er winzig klein auf dem Bildschirm das Fohlen sehen kann. Wieder zuhause erfolgt 2 bis 3 Wochen später eine Ultraschalluntersuchung. Es erfreut des Züchters Herz, wenn er winzig klein auf dem Bidschirm das Fohlen sehen kann.
11 Monate heißt es nun sich um die Mutter zu kümmern. Ausgewogen ernähren, pflegen, auch regelmäßige Hufpflege, impfen und was sonst noch alles dazugehört. Dann kommt die anstrengende Zeit - von Mitte April bis Mitte/ Ende Juni. Schlafen auf Sparflamme. Kontrollgang bei den Zuchtstuten - einmal zwischen 22.00 und 01.00 (manchmal auch 2 mal) und morgens zwischen 5.30 und 6.30. Und wenn man Glück hat, ist man dabei - ein unbeschreiblich schöner Moment, wenn die Stute in die Wehen kommt, die Fruchtblase platzt, die Stute sich hinlegt, nochmal aufsteht, ganz konzentriert in sich gekehrt wirkt, sich wieder hinlegt, presst, plötzlich die Beinchen herauskommen, man am liebsten helfen und ziehen möchte, aber still und leise in der Ecke stehen bleibt und hofft, dass Mutter Natur alles richten wird. Dann geht es weiter, ein erneuter Schub, der Kopf, der Körper, das Fohlen zur Hälfte bis zu zwei Dritteln heraußen ist. Dann steht die Mutter plötzlich auf und im Moment des Aufrichtens flutscht das Fohlen vollends heraus, ganz umhüllt von der Fruchtblase. Jetzt greife ich ein, ziehe die Haut vom Kopf des Fohlens, vor allem von der Nase, damit es Atmen kann - ich weiß, Mutter Natur hat eingerichtet, dass es ohne menschliche Einwirkung geht. Aber wenn doch mal nicht? Bin eben auch nur ein Mensch, der aufgeregt und freudig in diesem Moment für das neue Lebewesen nur das Beste will. Die Mutter leckt das Fohlen ab - beginnend am Kopf und Hals, dann Körper und Vorderbeine, dann hinten. Die Mutter möchte sich gerne legen, die Nachwehen sind manchmal noch heftig und die Nachgeburt muss noch aus dem Mutterleib gepresst werden. Aber ihr ist es wichtig, dass zuerst das Fohlen auf die Beine kommt und sie unterstützt seine ersten wackeligen Versuche auf die Beine zu kommen. Ein neues Pferd ist auf der Welt - unbeschreiblich schön. Ich warte noch einige Zeit, bis das Fohlen soweit ist, dass es zum ersten mal trinkt und zum ersten mal Darmpech absetzt. Und wenn die Mutter nun auch noch die Nachgeburt verloren hat, weiß ich: alles ist in Ordnung.
Es folgen nun 4,5 Jahre sorgsame Aufzucht. 4,5 Jahre tägliche Arbeit um das Pferd zu versorgen. Füttern, Ausmisten, Koppeln richten und pflegen, Transporte zu den Aufzuchtweiden, intensive Pflege falls es mal krank oder verletzt ist, regelmäßiges Impfen, Entwurmen, Hufpflege, usw. Dann beginnt die zeitintensivste und auch spannenste Zeit: das An- und Einreiten. Einfühlsam und pferdegerecht.
Jetzt wird es schwer für mich. Es wird Zeit sich zu trennen. Ich kann nicht alle Pferde behalten. Aber ich hatte meistens das Glück, neue Besitzer für meine Pferde zu finden, die sich wirklich toll um die Pferde kümmern. Beziehungen, in denen beide - Pferd und Mensch - glücklich miteinander sind.
Schreiben Sie mir oder rufen sie mich an, falls sie an einem meiner Pferde Interesse haben.
Es grüßt sie,
Heike Böhm